Warum der Brienzersee so türkis aussieht
Die Wissenschaft hinter der Farbe, die diesen See unwirklich wirken lässt.
Der Brienzersee ist nicht „türkis angemalt“ durch Algen oder im Wasser gelöste Mineralien. Die Farbe kommt von etwas deutlich Alpinerem: winzige Gesteinspartikel, von Gletschern zu Pulver zermahlen, von Bergflüssen in den See getragen und lange genug in der Schwebe gehalten, bis Sonnenlicht zu diesem typischen blaugrünen Leuchten wird.
Unten findest du die einfache Geschichte, wie das passiert und warum der Farbton je nach Jahreszeit, Wetter und sogar Tageszeit unterschiedlich aussehen kann.



Es beginnt in den Gletschern: Fels wird zu feinem Pulver
Hoch in den Berner Alpen bewegen sich Gletscher. Und während sie sich bewegen, schleifen sie den Fels darunter wie Schleifpapier. Dabei entsteht ein extrem feines Sediment, oft „Gesteinsmehl“ genannt (rock flour oder glacial flour): mikroskopisch kleine Mineralpartikel, so fein wie Schluff.
Wenn Schmelzwasser diese Partikel aufnimmt, trägt es sie talwärts in Bäche und Flüsse. Sobald sie einen See erreichen, sinken sie nicht sofort zu Boden. Weil sie so klein sind, können sie sehr lange in der Schwebe bleiben.
Das ist die entscheidende Zutat für das Türkis.
Zwei Flüsse „füttern“ die Farbe: Aare und Lütschine
Der Brienzersee hat zwei Hauptzuflüsse: die Aare und die Lütschine. Beide entspringen in hochalpinen Einzugsgebieten mit Gletschereinfluss. Das bedeutet: Sie bringen nicht nur Wasser, sondern auch sehr viel feines Sediment in den See.
Forschende, die den Brienzersee untersuchen, beschreiben sein Sedimentarchiv als geprägt von feinkörnigem Material, geliefert durch diese Flüsse. Anders gesagt: Der See erhält ständig einen sehr feinen „Staubfilm“ aus Mineralpartikeln, der sich über die Zeit nur langsam absetzt.
Dieses langsame Absinken ist ein Grund, warum der Farbeffekt so anhaltend und bei gutem Licht so intensiv sein kann.
Der Physik-Teil: warum unsere Augen Türkis sehen
Sobald diese mikroskopischen Partikel im Wasser schweben, interagieren sie mit Sonnenlicht.
Hier die intuitive Version:
- Sonnenlicht enthält alle Farben.
- Die winzigen Schwebstoffe streuen das Licht.
- Kürzere Wellenlängen (Blau und Grün) werden stärker gestreut als längere (z.B. Rot).
- Das gestreute blaugrüne Licht ist das, was zu deinen Augen zurückkommt.
So kann der See wirken, als würde er von innen heraus leuchten, besonders wenn die Oberfläche ruhig ist und die Sonne tief genug steht, um dieses klare, schräg einfallende Licht zu erzeugen.
Aus demselben Grund zeigen viele gletschergespeiste Seen weltweit ähnliche milchig-türkise Töne: Schwebendes Gesteinsmehl plus Sonnenlicht ergibt Magie.
Warum sich die Farbe übers Jahr verändert (und sogar im Tagesverlauf)
Wenn du den Brienzersee schon mehrmals gesehen hast, weisst du: Das Türkis hat Launen. Das ist normal und genau das, was man bei einem See erwartet, dessen Farbe von Sediment und Licht bestimmt wird.
Saisonaler Shift: Schmelzwasser verändert die „Mischung“
In Zeiten mit mehr Schnee- und Gletscherschmelze können Flüsse mehr feine Partikel in den See transportieren. Dadurch wirkt das Türkis oft heller und manchmal etwas „milchiger“.
In kälteren Phasen, wenn weniger Schmelzwasser kommt, kann der See tiefer und dunkler wirken, eher blaugrün als pastellig. Das Türkis ist noch da, aber oft subtiler, ausser das Licht ist stark.
Sonnenlicht: mehr Licht, mehr Farbe
Türkis ist ein visueller Effekt. Je mehr Sonnenlicht auf das Wasser trifft, desto sichtbarer wird die Streuung. Darum kann die Farbe komplett anders wirken zwischen:
- frühem Morgen und Mittag
- direkter Sonne und flacher Bewölkung
- tief stehender Wintersonne und hoher Sommersonne
Wind und Oberflächenstruktur: Ruhiges Wasser zeigt es am besten
Kabbeliges Wasser bricht Reflexionen auf und macht es schwerer, die Farbe „zu lesen“. An ruhigen Tagen (und besonders an spiegelglatten Wintertagen) wirkt das Türkis oft klarer, satter und dreidimensionaler.
Kurze Fragen, die oft gestellt werden
Ist das Türkis ein Zeichen von Verschmutzung?
Nein. Die Farbe hängt vor allem mit natürlichem, feinem Mineralsediment zusammen, das von gletscherbeeinflussten Flüssen in den See getragen wird.
Ist es Algenblüte?
Der Brienzersee gilt als nährstoffarm, was in der Regel weniger Algen bedeutet als in vielen anderen Seen. Das hilft, dass die Mineralsediment-Farbe durchscheint und nicht von grünen Blüten überdeckt wird.
Warum sieht der Thunersee oft anders aus?
Andere Einzugsgebiete, andere Sedimentmengen, andere Biologie. Zwei nahe Seen können sich sehr unterschiedlich verhalten, je nachdem, was hineinfliesst und wie Nährstoffe zirkulieren.
Weiterführende Links
- Brienzersee: physikalische Eigenschaften, Trophiestufe (ultra-oligotroph), Aufenthaltszeit sowie Aare und Lütschine als wichtigste Wasser- und Sedimentlieferanten:
https://access.archive-ouverte.unige.ch/access/metadata/75bbda67-c4d5-43b7-82c7-03ac2c605a0c/download - Feinkörniges (schluffgrosses) Sediment im Brienzersee und der Zusammenhang mit schwankendem Sedimenteintrag aus Aare und Lütschine:
https://www.limnogeology.ethz.ch/GirardclosMarine.pdf - Allgemeine Erklärung: Gletschermehl wird in Seen eingetragen, bleibt in Schwebe und streut Sonnenlicht, wodurch ein trüb-türkiser Eindruck entsteht:
https://www.nps.gov/glac/learn/nature/waterquality.htm - NASA-Erklärung: Gletscher erzeugen feine Gesteinspartikel, die Licht absorbieren und streuen und so blaugrüne Seefarben verursachen:
https://science.nasa.gov/earth/earth-observatory/how-glaciers-turn-lakes-turquoise-145055/ - Lokale Destination-Erklärung: Türkisfärbung durch feines Gletschersediment aus Aare und Lütschine, inklusive saisonaler Intensität:
https://www.interlaken.ch/erlebnisse/seen-wasserfaelle/brienzersee/All
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10 Fakten, die du wahrscheinlich noch nicht über den Brienzersee wusstest

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